Retired?

Was soll denn dieses Wort in dem Titel? Ehrlich gesagt, die deutschen Begriffe, wie berentet oder pensioniert, passen uns einfach nicht. Und als Rentner fühlen wir uns bis heute nicht. Im Moment auch nicht als Reisende – aber dazu später.

Nachdem wir nach wochenlangem Entrümpeln fast alle unsere Habseligkeiten verkauft, verschenkt, gespendet oder weggeschmissen haben und daraufhin entlastet und befreit vor dem grossen Abenteuer Reisen oder besser gesagt Dauerreisen standen, fühlte sich das im ersten Moment grossartig an. Alle negativen Aspekte, wie Trennung von Familie und Freunden sowie anderen lieb gewonnenen Aspekten des Lebens in der Schweiz waren gemildert, da wir ja bald, d.h. im Frühjahr 2020, wieder zurück sein würden. Unser Europa-Camper würde dann auf uns warten und wir würden alle und alles bald wiedersehen. Dass manchmal ganz ganz winzige Dinge grosse Pläne durchkreuzen können, ahnten wir damals nicht. Als wir Ende November 2019 unsere ersten vorsichtigen Schritte in diesem neuen Leben wagten, erlebten wir etwas, womit wir nicht gerechnet hatten.

Kapstadt fühlte sich leer an …

… und wir langweilten uns. Wir kannten so vieles, waren schon x-mal da und hatten keine Lust durch das ganze riesige Land zu reisen. Es war dann auch noch ab Dezember die Zeit der grossen Ferien, die überall volle Campingplätze vermuten liess. Shit, sollte das jetzt unsere ersehnte Freiheit sein? Wir waren etwas verwirrt und versuchten die Gefühle einzuordnen. Auf dieser Reise fehlte etwas, was sonst immer da war:

Eine Verknappung und ein Plan

Lasst mich erklären. Jede unserer Reisen hat entweder durch die begrenzte Dauer oder durch den vorgegebenen Plan dafür gesorgt, dass wir an dem Ort, wo wir waren und im günstigsten Fall uns wohlgefühlt haben, immer bald wieder die Zelte abbrechen mussten, was den besuchten Ort umso begehrenswerter erschienen liess. Und dann war auch entsprechend unseres Plans schon wieder ein neues interessantes Ziel im Fokus. Das alles fehlte plötzlich. Wir konnten und durften bleiben, solange wir wollten und wir kannten oft das nächste Ziel. So war es in Kapstadt, aber auch beim Reisen durch das Western Cape.

Ein neuer Modus

Wir brauchten eine ganze Weile, um in diesem Modus anzukommen. Slow, ungeplant, ungehetzt, mit viel Zeit für langes Frühstücken im Freien, Plaudereien miteinander oder mit neuen Bekannten (die fast jeden Tag unseren Weg kreuzten), Marktbesuche, das Ausprobieren kulinarischer Köstlichkeiten u.v.m. Dennoch konnten wir den gelangweilten Modus erst ganz hinter uns lassen, als wir anfingen, doch wieder Pläne zu machen. Dabei spielte Europa – für uns ungewöhnlich – eine viel grössere Rolle als je zuvor und je erwartet. Afrika verbinden wir mit Natur, Wildnis, Weite, wilde Tiere, Ruhe, Einsamkeit, netten Menschen, das Leben als „ruhigen langen Fluss“. Wir vermissten aber auch Städte, kleine Dörfer, freies Bewegen zu Fuss, Fahrradfahren, Architektur, Cafés. Natürlich hat das viel damit zu tun, dass bei uns die Vorfreude auf unseren Bumo-Camper gross war und wir viel herum fantasierten, wie sich das bewegliche Leben in Europa anfühlen würde. Die Vorfreude auf Mai war gross und liess Afrika zwischendurch auch mal „alt“ aussehen.

Die Wartezeit verlängert sich

Als dann die Nachricht kam, dass wir wohl noch zwei Monate länger auf das Fahrzeug warten müssen, war das keine gute Überraschung. Iveco (das Basisfahrzeug) hatte seine Auslieferung auf Anfang Juni terminiert und zuzüglich einiger Wochen für das Zusammenbasteln von Fahrzeug und Bumo-Kabine, rechneten wir damit, dort Ende Juni einziehen zu können. Wie weit wir damit gefehlt haben, war selbst viele Monate später noch nicht abzusehen. Bei uns begannen die Überlegungen, was wir denn ab Mai oder evt. schon vorher bis zum Einzug ins Bumo machen sollen. Wir gewannen Gefallen daran, schon ab April nach Europa zu fliegen, um dort in attraktiven Städten oder Landschaften für nette Leute auf deren Haustiere und Häuser aufzupassen. Die Website von „Trusted Housesitters“ vermittelt weltweit derartige Gelegenheiten. Wir arrangierten also für Anfang April einen House-Sit in der Nähe Londons, wohin wir schon lange mal wollten. Danach sollte es für kurze Zeit in die Schweiz gehen, dann wieder house-sitten nach England. Diese Pläne haben dann leider Covid-19 bekommen und haben das nicht überlebt. Die Alternative, die sich stattdessen entwickelte, hatte dann auch ihren Reiz.

Aber nun der Reihe nach.

2 thoughts on “Retired und was nun?

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