Auf Viechersuche im Kgalagadi

Luxuriös entspannen vor der Safari

Wir sind auf den letzten Kilometern vor dem Kgalagadi National Park noch drei Tage auf einer Lodge hängen geblieben. Dort waren wir zeitweilig die einzigen Gäste, hatten einen schönen Campingplatz mit eigenem Grillplatz, Dusche und Toilette. Und da wir alleine waren, hatten wir auch den Swimming Pool und alles andere für uns. Hängematte, Pool, Lesen, Kochen und Essen war so das, was den Tag bestimmte. Aber nach drei Nächten zog es uns nun doch weiter in die Wildnis, auch wenn wir den Pool bei ständigen Temperaturen bis 40 Grad in den nächsten zwei Wochen vermissen würden.

Unterwegs im südafrikanischen Teil

Im Twee Rivieren, das südlichste Camp des Parks auf südafrikanischer Seite, trafen wir wieder einmal auf viele europäische Touristen mit ihren weissen Pickup-Campern mit grünem Dachzelt – wie wir es auch lange waren – und wir waren einmal mehr überrascht und irritiert über die Distanziertheit und das Fremdeln unserer Landsleute. Die Kontaktfreude und -bereitschaft südafrikanischer oder namibischer Camper war ungleich höher und angenehmer. Am nächsten Tag ging es nach Nossob, einem Camp, das nach dem dortigen meistens nicht fliessenden Fluss benannt wurde. Dort gab es schon etwas mehr von einer Bush-Camp-Atmosphäre zu spüren, die einen leichten Hinweis auf das Camp-Feeling vergangener Tage gab, aber wahrscheinlich immer noch weit davon entfernt war. Wir ergatterten einen schönen Platz und lustigerweise hatten wir als Nachbarn Sally und Alan, die wir im 2018 im Hwange National Park in Simbabwe kennen lernten. Es gab ein grosses Wiedersehens-Hallo. Diese beiden waren mit ihrem grossen Iveco 4×4 Camper unterwegs, der für uns die Inspiration für unseren Europa-Camper war.

Wir machten täglich ein bis zwei Game Drives, zu Deutsch Pirschfahrten, auf denen wir u.a. Löwen sahen, die sich vergnügten oder die nur faul und übelriechend auf der Strasse lagen und trotzdem Besucher in ihren Bann zogen. Meine Geduld war ziemlich auf die Probe gestellt, wenn wir lange neben einem dieser faszinierenden Tiere parkten, immer in der Hoffnung, dass in der nächsten Minute eine gewünschte Wandlung der Szenerie eintritt und dieses Tier sich in Bewegung setzt. Selten wird mehr als eine Beinbewegung oder eine kleine Lageveränderung daraus – faule Biester. Zum Glück gibt es auch noch Erdmännchen und Antilopen. Die grossen Löwengeschichten sollten ja noch kommen.

Der wilde Abschnitt in Botswana

Wir brachen nach drei Nächten im Nossob-Camp in die Mabuasehube auf, dem östlichen wilderen Teil des Parks in Botswana. Hier erzählte man sich Geschichten von Löwen und Leoparden, die die Camper auf den Camps besuchten. Dort sind die Campingplätze sehr rudimentär, meist alleinstehend und nicht umzäunt. Tiere können deinen Schlafplatz frei durchqueren und auch mal Hallo sagen. Aber vor der Kür kommt die Pflicht. Und die hatten es in sich. 180 km Dünen fahren mit einem Zeitaufwand von sieben Stunden. Dass unser Auto auf dieser Strecke seine Möglichkeit das Differenzialöl bei sich zu behalten einbüsste, merkten wir leider nicht so schnell. Das rächte sich dann im Verlauf der nächsten Tage und Wochen. Die Kür war dann das wunderbare Wildgebiet, das wir auch schon im 2018 besuchten. Hunderte Kilometer bis in die Zivilisation, wenig Touristen, viel behörntes Wild, Hyänen, Leoparden und Löwen. Von nachtaktiven Tieren gar nicht zu sprechen. Aber diesmal schien es, als würden wir immer zur falschen Zeit am falschen Ort sein. Die Löwen durchquerten zwar frühmorgens unser Camp, liessen für uns aber nur ihre Spuren da und ein bisschen Gebrüll aus der Ferne. Wir erhielten ausserdem die Berichte unseres Camp-Nachbarns, einem englischen Fotoenthusiasten, der das goldene Händchen für Tierbegegnungen zu haben schien. Besonders eindrücklich waren seine Storys über einen Löwen, der zur täglichen Teatime auf ihr Camp kam, um vom tropfenden Wasserhahn ein paar Schlucke zu nehmen. Neben Gänsehautfeeling überkam uns auch etwas Neid. Die Ausbeute der fünf Tage in der Mabuasehube waren etwas dürftig, die Temperaturen zu hoch und der Schaden am Auto zu teuer. Irgendwann entdeckten wir nämlich den Ölverlust am hinteren Differenzial und schraubten den Diffdeckel erstmal wieder stramm. Hoffnungsvoll fuhren wir dann die ganze Strecke nach Nossob zurück, nur um dort festzustellen, dass die Schrauben wieder locker waren. Die Camp-Mechaniker halfen etwas, indem sie uns neues Öl besorgten und den Deckel wieder festmachten. Das nützte nur kurz. Erst nach dem Ausgang des Parks in Namibia erhielten wir richtige Hilfe durch einen Farmer, der uns die Dichtung erneuerte und Öl auffüllte. Leider war bis dahin der Schaden schon angerichtet, der uns dann später in Windhoek das Geld aus der Tasche zog.

Lustige Begegnungen

Aber nochmal zurück zum Kgalagadi. Wir hatte noch eine schöne Fahrt durch den Park, die uns letztendlich zum Mata Mata Camp führte. Dort angekommen, wussten wir schon, dass in den zwei geplanten Tagen keine grossen Gamedrives mehr zu machen sind, damit das Diff nicht weiter kaputt ging. Machte nichts. Wir trafen auf dem Camp einige Leute, die wir entweder Jahre oder Wochen vorher irgendwo in Südafrika kennengelernt hatten. Es gab dann immer wieder viel zu erzählen und so taten die fahrfreien Tage auch nicht weh. Insgesamt haben wir im Park schon früher viel interessantere und mehr Tierbegegnungen bei viel kürzerer Aufenthaltsdauer gehabt, aber dabei sein ist alles und Wildnis ist eben nicht planbar.

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