Wir dürfen nochmals nach Namibia

Nachdem wir am 14. November 2020 von Gran Canaria nach Zürich geflogen sind, begannen spannende Tage. Unsere Einreise nach Namibia am 18. November 2020 waren von zwei Voraussetzungen abhängig. Das eine war ein negativer PCR-Test, den wir spätestens, aber auch frühestens, am Sonntagmorgen machen sollten bzw. konnten. Das andere betraf die Einreiseerlaubnis nach Namibia. Weder war bisher klar, ob die Grenzbeamten unser Schreiben der namibischen Botschaft in Berlin als Einreiseerlaubnis akzeptieren würden, noch wie lange sie uns den Aufenthalt erlauben würden. Immerhin war die maximale Aufenthaltsdauer von 90 Tagen für das Jahr schon weit überschritten. Beides klappte besser als erwartet. Die Probenentnahme für den PCR-Test war viel harmloser als erwartet, das Ergebnis dann auch negativ und wir haben bei der Einreise in Windhoek nochmal ein Visum für vier Wochen erhalten. 

Gähnende Leere an den Flughäfen

Während der Flughafen in Zürich schon menschenleer war, haben wir den Frankfurter Flughafen in einer apokalyptischen Ausgestorbenheit erlebt, wie es kaum vorstellbar war. Wir hatten einige Stunden bis zum Weiterflug zu überbrücken und sassen fast mutterseelenallein in der Nähe eines Bistros herum, das glücklichweise noch geöffnet hatte. Die meisten Shops waren geschlossen. Als wir uns dann zu gegebener Zeit dem Abflugschalter unseres Fluges näherten, änderte sich alles. Plötzlich waren überall Menschen und wir waren überrascht, dass die Maschine so gut gebucht war. Das musste auch für Eurowings eine gute Nachricht gewesen sein, was aber nicht dazu geführt hat, angemessene Korrekturen im Angebot der Bordküche vorzunehmen. Das war aber vielleicht gut so, denn so blieb die Vorfreude auf unser erstes Frühstück in Windhoek, das wir mit Tina und Rainer in „Olivia’s Kitchen“ (sehr zu empfehlen) einnahmen. Die beiden haben uns vom Flughafen abgeholt und uns das Gefühl gegeben, dass wir gerade erst da gewesen sind. Waren wir ja eigentlich auch. 

Hallo Freunde – hallo Windhoek

Wer sich an die Kinderbücher erinnert, in denen man durch einen Schrank in eine andere Welt eintritt, kann möglicherweise unser Gefühl nachvollziehen, das uns in Windhoek überkam. Herrlichstes Sommerwetter, ein leichtes Lüftchen, weitläufige Natur und freundliche, entspannte Menschen, wie wir es in Namibia so mögen und schätzen. Wir blieben eine Woche in der Stadt und genossen die Begegnungen mit neuen Freunden und Bekannten aus den vergangenen Monaten sowie die interessanten Flecken der Stadt, die wir nach vielen Jahren der Reisen nach Namibia erst in diesem Jahr wirklich entdeckten. 

On the road again

Danach fuhren wir südlich mit Ziel Südafrika. Auf Grund unseres grosszügigen Visums konnten wir recht langsam reisen. Trotz dieser Möglichkeit machten wir bei der ersten Übernachtung schon einen groben Fehler, indem wir dort nur eine Nacht blieben. Das Camp der Anib Kalahari Lodge verkörpert die Kalahari derart perfekt, dass es für uns als gerade Gestartete gar nicht so leicht war, uns auf diese Ruhe und diese Reinheit von Natur und Stille einzulassen. Das bereuten wir dann gleich am nächsten Abend, als wir auf dem Camp der Duwisib Gästefarm sassen und es uns dort so gar nicht gefiel. 

In den Fusstapfen des TCS/ADACs

Von dieser Entscheidung profitierten jedoch eine Gruppe von Kindern, die mit ihrem Eselskarren auf dem Weg nach Hause waren. Etwa fünf Kilometer vor ihrem Ziel blieben sie mit einer Reifenpanne am Rande der Stadt Maltahöhe liegen und baten um Hilfe. Da der Reifen nicht reparierbar war, kauften wir im Ort einen gebrauchten und montierten ihnen diesen an ihrem Karren. Dieses Manöver war recht spannend und von der Kooperation der beiden Esel abhängig. Jeder, der schon mal einen Reifen gewechselt hat, weiss wie wichtig es ist, dass sich das aufgebockte und zwischenzeitlich ungenügend bereifte Fahrzeug nicht bewegt. Wir wussten aber die ganze Zeit nicht, ob die Esel das auch wussten. Als wir mit dem neuen Reifen zurückkamen, sassen die Kinder entspannt neben der Strasse und die Esel haben diesmal genau das getan, was sie tun sollten – nämlich nichts. Nach vollendeter Mission sagten wir den wirklich netten Kids, dass sie ihren Eltern sagen sollen, dass sie tolle Kinder haben. Die Kinder erwiderten, dass sie uns nun gerne auch noch als Eltern hätten. Das berührte uns sehr und wir nahmen es als Kompliment.

Die wunderbaren Farben der Tiras Mountains

Nach Duwisib ging es zur Koiimasis Ranch. Dieser zauberhafte Ort liegt 20 km abseits der Landstrasse. Neben einer Lodge und dem Campingplatz werden dort verschiedene Tiere gezüchtet: Pferde, Strausse, Bengalkatzen, Papageien und diverses Geflügel. Aber mal ehrlich: unsere eigenen Bengalen waren viel schöner. Natürlich! Das Camp liegt traumhaft in die Felsen eingebettet und ausreichend weit weg vom Farmbetrieb und dem Geflügelgezetter. Und wir hatten unsere eigenen Camptiere. Dassies, eine mit Elefanten verwandte Art kleiner Murmeltiere, die manchmal erstaunlich nahe ans Camp kamen. Ausserdem gab es viele Vögel. Einen bemerkenswerten Vogelreichtum zeichnete fast jedes unserer Camps in Namibia aus. Das bereicherte unser Frühstück im Freien auf eine sehr schöne Weise.

„Griasdi“ in der Wüste

Auf der nächsten Station, der Namtib Farm, die gleich in der Nähe von Koiimasis liegt, erwartete uns eine Begegnung der bayrischen Art. Cordi und Dieter hatten wir auf dem Urban Camp in Windhoek kennengelernt und irgendwie ist der Funke übergesprungen. Da sich dann unsere Wege in den Tiras Bergen kreuzten, verabredeten wir uns kurzerhand auf Namtib und verbrachten zwei schöne, lustige und feuchtfröhliche Tage miteinander. Aber ich bin nicht ganz sicher, dass meine Leber diese Einschätzung teilt. Muss sie ja auch nicht, aber durchhalten. Die Landschaft der Tiras Berge, wozu die Farmen Koiimasis und Namtib gehören, haben seit neun Jahren keinen Regen mehr erlebt. Das ist für den stärksten Baum sowie für die Nerven und den Geldbeutel der stärksten Bauern eine kaum verkraftbare Situation. Bis Anfang dieses Jahres konnten die Verluste noch durch den Tourismus kompensiert werden. Der coronabedingte Ausfall von Besuchern aus dem Ausland bringt derartige Farmen nun an den Rand der Existenz. 

Das Rennen der wahnsinnigen Radfahrer

In Namibia stand das grosse und traditionelle Radrennen „Desert Dash“ bevor, welches 370 km von Windhoek nach Swakopmund durch das Khomas Hochland und die Namib Wüste direkt an den Atlantik führt. Wir trafen auf unserer Reise immer wieder Hartgesottene, die sich auf dieses Rennen vorbereiteten. Beeindruckende Menschen mit Biss. So einer war der Farmer von Namtib, der das Rennen im Alleingang plante, aber auch der Besitzer unseres nächsten Ziels, dem Klein Aus Vista Camp. In der Kategorie der männlichen Solofahrer hat übrigens ein Schweizer gewonnen!

Alleine am zweitgrössten Canyon der Welt

Das Klein Aus Vista Camp war nur ein Stopover auf dem Weg zum Fishriver Canyon, dem grössten Canyons Afrikas und nach dem Grand Canyon der USA der zweitgrösste der Welt. Bewandern darf man diesen nur im namibischen Winter, da die sommerlichen Temperaturen tief im Canyon der Gesundheit nicht wirklich zuträglich sind und hier schnell das eine oder andere Gehirn hochgeschwindigkeitsdehydriert würde. Das will ja keiner. Der Canyon ist sehr imposant, aber nach ein paar Schritten und einem Camperfrühstück an seiner Abrisskante war es auch genug. Die Sonne nagte dann schon an unseren Gehirnen. Zum Camp auf der Canyon Roadhouse Lodge wollten wir nicht zurück. Zum einen, weil uns dort nur die als Automuseum aufgemachte Lodge, aber nicht der Campingplatz gefiel, zum anderen, weil uns der Orange River lockte. Und zu dem war es nun nicht mehr weit.

Der grüne Gürtel am Oranje

Auf dem Weg stoppten wir noch kurz an einer Gin-Distillerie, die in wüstenartiger Abgeschiedenheit den berühmten Teufelskrallen-Gin herstellen. Klugerweise haben wir aber dort keine Ginprobe gemacht sondern nur eingekauft und uns mit Kaffee und Kuchen belohnt. Für was auch immer. Dann kamen wir an den Orange River, den Grenzfluss zwischen Namibia und Südafrika, wo neben dem Fluss im grünen Gürtel Tafeltrauben für den Export wachsen. Dort fanden wir aber erst beim zweiten Anlauf ein Camp, das uns gut gefiel. Dafür aber auch richtig megagut. Wir blieben fünf Tage im Amanzi River Camp auf einem Platz direkt am Wasser. Viele Vögel, Warane und zwei Otter lebten um uns herum, leider auch mal eine Gruppe Studenten mit Partyambitionen für eine Nacht. Wir konnten dort wandern – machten das auch einmal – und nahmen an einer Kanutour durch die malerische Landschaft teil. Das tollste aber war die Möglichkeit, mehrfach am Tag einfach so im herrlichen Flusswasser zu schwimmen und auf einem Rasenplatz zu wohnen. Das hat man ja nicht in jeder Wüste. Am 9. Dezember 2020 machten wir uns dann auf, die Grenze nach Südafrika zu überqueren. Wie leicht, schnell und unkompliziert das ging, hat uns überrascht. Und grundsätzlich werden wir gerne positiv überrascht. 

5 thoughts on “Ab in den Süden

  1. Hallo zusammen
    Wir danken euch für den SUPER TIPP in eurem Blog. Fraaigelen Farm ist einfach perfekt mit total netten Owners. Dass wir dann noch euch selber getroffen haben war der Hammer. Vielen Dank für die interessanten Gespräche. Alles Gute weiterhin auf eurem Trip.
    LG Daniela & Roland

  2. Toll und spannend geschrieben, die vorstellung von sonne und wärme, weite und vogelgezwitscher, einfach von afrika, macht neidisch… geniesst es, hebed sorg ond alles liebscht ond bescht förs 21i!

  3. Vielen Dank, dass ihr diesen wundervollen Block ins Leben gerufen habt und uns alle mit auf eure Abenteuer nehmt.
    Ihr macht das so wunderbar, Texte und Bilder sind so inspirierend.
    Falls ihr an einen Ort kommt bei dem es sich lohnt zu spenden, wäre ich daran interessiert.
    Herzliche Grüsse
    Melanie

  4. Wie wunderbar, wieder von euch zu lesen. Text und Bilder, einfach ein Genuss. Danke für’s Mitnehmen. Weiterhin viele, tolle, positive Überraschungen.

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