Kurz durch den Norden –

Südafrika empfing uns mit seinem weiten, trockenen und wenig bewohnten Norden und wir quälten unseren Land Cruiser, der schnelles Fahren auf guten Strassen besonders ungern hat, stundenlang den Highway entlang Richtung Süden. Unser erstes Ziel waren die Cederberge, die wir diesmal über Niewoudtville anfuhren. Das hat sich gelohnt, weil dieses Gebiet auf der Grenze zwischen Northern und Western Cape sowohl untouristisch – das betrifft aber zur Zeit das ganze Land – als auch für uns unbekannt war und wunderschön ist. Die Weite der Landschaft ist sagenhaft und jedesmal, wenn wir in diesen Breiten sind, nehmen wir uns vor, mal im August/September hierher zu reisen, weil sich dann auf hunderten von Kilometern Blumenmeere bilden, deren Schönheit wir bisher nur auf Fotos bestaunen konnten. Vielleicht schaffen wie es ja mal. Das Western Cape kennen wir ja schon aus zahlreichen früheren Reisen aber auch dieses Mal haben wir wieder neues Unbekanntes kennen gelernt.

Bei den Kletterern

Am zweiten Abend übernachteten wir auf dem Camp von de Pakhuys, mit dem Blick auf ein Gebiet von Felsformationen. Dort werden jedes Jahr in der kühleren Jahreszeit Slackline-Wettbewerbe ausgetragen, indem breite Seile in schwindelerregender Höhe zwischen Felsen gespannt werden, die es kunstvoll zu überqueren gilt. Ausserdem gehören diese Felsen zu den besten Boulderparadiesen weltweit, so dass nationale und internationale Sportler zu Verantstaltungen anreisen, nur um ihr Genick in Gefahr zu bringen. Wir haben uns die Landschaft nur angeschaut und der höchste Platz, den wir dort erkletterten, war unser Dachzelt – auch schön. Unser Eintritt in die Cederberge verlief zeitgleich mit dem Beginn der südafrikanischen Sommerferien. Da drohte es auf den Campingplätzen etwas eng zu werden. Aber irgendwie hatten wir Glück und es waren immer Plätze für uns frei, nicht selten sogar die besten. Wenn Engel reisen.

Die Cederberge – wir lieben sie

Die Cederberge gehören zu unseren Lieblingsgegenden im Western Cape, so dass wir diesmal sogar mehrmals dort waren. Wir entdecken immer wieder Neues, geniessen aber auch Bekanntes. Und manchmal zeigt sich, dass auch unsere antizyklische Vorgehensweise belohnt wird. Wir wandern, wenn wir denn mal wandern, erst los, wenn die anderen schon fast zurückkommen. Und so erlebten wir einen wunderschönen Platz unter einem Wasserfall genau zu dem Zeitpunkt, wo die Sonne dort einfiel. Früher wäre schlecht gewesen. Unsere Picknickstelle unter einem Baum war einfach traumhaft gelegen und gut ausgeleuchtet. Der kleine Pool mit eiskaltem Wasser wildromantisch und der Blick atemberaubend. Nicht immer fängt der frühe Vogel den Wurm.

Begegnungen im Wein- und Olivenölland

Allzulange konnten und wollten wir uns diesmal aber nicht in den Cederbergen aufhalten. Es warteten noch Markus in Tulbagh und unser House- und Petsitting-Arrangement auf uns. Markus, der vor und während des ersten Lockdowns seinen Traum von einem Haus und einer Weinfarm verwirklichte. Es ist wie eine Geschichte aus einem Film, wo einer auszog die Welt zu bereisen, sich in eine Gegend verliebte und sich dort niederliess. Also pass auf, wenn du dich mal für ein Sabbatical entscheidest. Du könntest plötzlich deinen Traum finden. Bei Markus verbrachten wir ein paar unterhaltungs- und weinreiche Tage und besuchten auch die Fraaigelegen Farm, über die wir schon in den vergangenen Jahren berichteten. Deren Olivenöl ist einfach das beste und jetzt auch in Deutschland zu kaufen: www.capegoods.com.

Ein Besuch der Mother City muss sein

Nach dem Besuch bei Markus und seiner Manley Wine Lodge (deren Weine kann man auch in Deutschland unter www.weinunikate.de kaufen) ging es nach Kapstadt. Wir freuten uns sehr, hatten aber auch ein etwas mulmiges Gefühl auf Grund der Entwicklung der Corona-Fallzahlen. Da wir aus der Schweiz kamen, wo die Inzidenzwerte deutlich höher waren als in Südafrika, fühlten wir uns nicht wirklich in Gefahr. Für uns ging die Gefahr mehr von schnellen, unerwarteten Massnahmen aus, die unsere Bewegungsmöglichkeiten einschränken könnten. Und wir versuchten einzuschätzen, ob uns durch die coronabedingte Verarmung der Südafrikaner, die möglicherweise einhergeht mit der Zunahme von Kriminalität, Gefahr drohen könnte. Aber unsere inneren Antennen, die in Südafrika immer sehr scharf gestellt sind, lösten in keiner Situation den leisesten Alarm aus. Während wir in Kapstadt wohnten, erfolgte sehr kurzfristig eine Verschärfung der staatlichen Coronamassnahmen, die uns kurz mal erschreckte, weil uns drohte nicht mehr Herumreisen zu können. Das hat sich dann aber als nicht so wild herausgestellt. Der Reiseradius wurde auf 200 km begrenzt, Alkoholtransport und dessen Handel wurden verboten und die Strände gesperrt. Das machte uns nicht viel. Wir fuhren gewöhnlich sowieso weniger als 200 km, Wein hatten wir dank Manley noch genug, Alkoholschmuggeln haben wir schon im Lockdown in Namibia gelernt und die Leute, die sonst am Strand waren, konnten wir dann in den Einkaufszentren und auf Wanderwegen treffen.

Unser Job als House- und Petsitter

Kapstadt hat uns wieder sehr gut gefallen. Wir sitteten für zehn Tage über Weihnachten und Silvester ein Haus in Observatory, einem Stadtteil, der eine Mischung aus Studenten- und einfachem Stadthausviertel darstellt, mit einer Hauptstrasse mit alternativen Bars, Coffeeshops, Schallplatten- und Secondhandläden. Obs hat nicht den Ruf der sicherste Stadtteil zu sein, aber ist charmant, relativ ruhig und sehr nah zum Zentrum und der wunderschönen Bergwelt Kapstadts. Unsere tollen Haustiere, zu deren Unterhaltung wir engagiert wurden, waren zum Verlieben. Asjas, ein Zwergschnauzer, und Finch, ein Kater und Boss im Haus, waren ein Spitzenteam und passten toll in das viktorianische Haus, das die Besitzer sehr schön restauriert haben. Asjas zeigte uns jede Ecke seines Viertels, den Park entlang des Liesbeek-Rivers und die Wanderwege des Newlands-Forest, der uns als innerstädtisches Bergwandergebiet überraschte und sehr, sehr gut gefiel. Unser Haus war, wie alle anderen dort, mit einer Alarmanlage ausgestattet und wir mussten das erste Mal die Bedienung einer solchen selbst übernehmen. Es brauchte einige Tage Eingewöhnung und strapazierte die Geduld der Dame in der Security-Zentrale, bis wir es ohne das Auslösen von Fehlalarmen beherrschten. Unser Cruiser musste in Observatory auf der Strasse parken, da er zu dick war für den Carport. Das bedeutete, dass wir alles aus dem Fahrzeug ausräumen mussten, um keinen Anreiz für einen Autoknacker zu geben. Das hatte kurz vorher schon mal gut funktioniert. Da mussten wir das Auto in Greenpoint auf der Strasse lassen. In der Nacht wurde das Auto neben unserem aufgebrochen. Da der Dieb aber nicht aufgepasst hatte, sind ihm die vielen Hausüberwachungskameras entgangen, die auch die Strasse im Visier hatten. Die Aufnahmen zeigten, dass er auch unser Fahrzeug auscheckte, sich dann aber über das kleinste Auto hermachte. Die Tür konnte einfach mal so aufgebogen werden. Er wurde noch im Auto vom mobilen Sicherheitsdienst geschnappt. Unser Land Cruiser überlebte dann auch Observatory. Und wir auch. Zu unserer Sicherheit, aber noch mehr zu unserer guten Nachruhe, trug die nächtliche Ausgangssperre von 21.00 bis 4.00 Uhr bei. Das machte das Viertel nicht nur sicherer, sondern auch ruhiger. Leider machten dann aber die Restaurants um 20.00 Uhr zu. Gemütliche Netflixabende sind ja auch nicht schlecht. So beendeten wir das Jahr 2020, das für uns ein sehr (ereignis-)reiches Jahr war. Wir reisten mehr als in fast allen anderen Jahren, lernten sehr viele Menschen kennen, haben Landschaften in historisch einmaligem Zustand erlebt und sind dankbar für die tollen Erfahrungen. Wir haben aber auch gerne alle Neujahrsgrüsse entgegen genommen, die ein besseres 2021 wünschen. Besser geht immer.

Steile Bergpisten

Am 3. Januar 2021 ging es dann wieder aufs Land. Wir durften einige Tage in einer Blockhütte auf der Farm von Luzelle in Robertson wohnen. Luzelle haben wir in Kapstadt als Partnerin von Lutz kennengelernt und Lutz fast ein Jahr vorher in Windhoek. Zusammen haben wir einen kleinen Road- und Campingtrip unternommen. Dieser ging zum Matroosberg und in ein Dünengebiet zwischen Cederberge und Kagga Kamma Nature Reserve. Das Camp am Matroosberg liegt in einem Pinienwald, von wo aus wir dann die abenteuerliche 4×4 Auffahrt zum Matroosberg unternommen haben. Die beiden Land Crusier kamen ganz schön ins Schwitzen, dafür wurden wir dann mit einem phänomenalen Blick in eine 1000 Meter tiefe Schlucht belohnt. Das war der richtige Platz für ein Picknick.

Roadtrip

Von da aus ging es weiter zu einem Wildcampingplatz, den uns Lutz gerne zeigen wollte, weil es so schön und besonders ist. Auf dem Weg dorthin fuhren wir viele Kilometer schnödeste Wellblechpiste durch die einsame und etwas reizlose Karoo. Ausnahmsweise waren wir mal nicht alleine unterwegs. Wir wurden von einer Gruppe auf Geländemotorrädern überholt und haben noch gedacht, dass das Befahren dieser Strasse sicher nicht viel Spass mache und auch nicht ganz ungefährlich sei. Aber dann waren die Biker auch schon nicht mehr zu sehen. Das änderte sich aber in den nächsten Minuten schlagartig. Die Bikes standen quer auf der Strasse, nur eines nicht. Das lag weit weg, während der Fahrer auf der Strecke geblieben ist. Er lag verletzt auf der Strasse und wurde von den anderen umringt. Wir baten unsere Hilfe an. Die war auch sehr nötig, denn es musste etwas her, was dem Verletzten Schatten spendet und jemand, der Hilfe holte. Es waren 38 Grad im Schatten und wir waren 12 km von der nächsten Möglichkeit entfernt, mit der Zivilisation Kontakt aufzunehmen. Lutz und Luzelle fuhren den Rettungsdienst verständigen und wir sorgten mit unserer ausklappbaren Markise dafür, dass der Verletzte und die Helfer nicht gekocht wurden. Fast drei Stunden musste der arme Kerl auf der Strasse ausharren, bevor der Rettungswagen kam. In der Zwischenzeit haben wir uns mal die Unfallstelle angeschaut und so grob gemessen, dass das Motorrad ca. 130 m entfernt von der Stelle, wo der Sturz ausgelöst wurde, entfernt lag und der Fahrer hat es nur knapp 100 m geschafft. Dafür sah er auch nicht so schlimm aus wie seine 1200er BMW. Er kam mit einem leichten Wirbelbruch, Gehirnerschütterung, Prellungen und Abschürfungen davon, während die BMW Totalschaden erlitt. Besser so als andersherum. Wir durften uns einige Wochen später bei einem Abendessen, zu dem wir vier eingeladen wurden, davon überzeugen, dass er auf gutem Wege ist wieder kerngesund zu werden. Wahrscheinlich wird er in Zukunft eher auf vier Rädern unterwegs sein.

Dünencamping

Nach diesem erschütternden Ereignis haben wir es noch zu den Sanddünen geschafft, wo wir zwei bis drei Tage bleiben wollten. Die erste Nacht verbrachten wir zu viert, am nächsten Tag kamen noch zwei Freunde dazu. Mit drei Fahrzeugen bildeten wir ein schönes Wildcamp und verbrachten die Tage in dieser bezaubernden Sandlandschaft und die Abende am Lagerfeuer und mit Sternenbeobachtungen. Es war fantastisch! Wir waren sehr froh, dass das Fahrzeug von Lutz mit einer Aussendusche ausgestattet ist, die wir mitbenutzen durften. Da entstand bei uns der Plan, in unseren Land Cruiser ebenfalls eine Aussendusche einzubauen. So werden wir unabhängiger von Campingplätzen und bleiben auch noch sauber dabei.

Wild campen in Südafrika

Da es grundsätzlich ein bisschen tricky ist, in Südafrika wild zu campen, stellt dies eine heikle aber reizvolle Herausforderung dar. Reizvoll, weil es einfach schön ist, mit wenig oder keinem zivilisatorischen Grundrauschen irgendwo in wunderbarer Natur zu übernachten. Heikel, weil es nur sehr wenig Gebiete gibt, die nicht in privatem Besitz oder Naturschutzgebiet sind und der Sicherheitsaspekt in diesem Land ganz besonders zu beachten ist. Südafrika ist schliesslich nicht dafür bekannt, dass alle Menschen das Leben anderer so hoch achten, wie wir es so kennen und schätzen. Und man will ja schliesslich morgens wieder weitercampen. Und mit verärgerten Farmern möchte man es auch nicht zu tun bekommen, auch wenn man weitgehend davon ausgehen kann, dass sie ihre Gewehre nicht gegen einen einsetzen. Dennoch ist es etwas wie im wilden Westen. Und bewaffnet ist hier jeder, der etwas ausserhalb von Städten wohnt. Dass man nicht mitten in Naturschutzgebieten campt, versteht sich von selbst. Ausserdem kann das teuer werden. Glücklicherweise gibt es trotzdem Bereiche, wo das Wildcampen möglich und unkritisch ist. Da diese meist etwas abgelegener sind, braucht es neben guten Nerven, die sich mit der Zeit einstellen, genug Wasser und Vorräte und eine Dusche wäre toll.

One thought on “(Un)bekanntes Western Cape

  1. Herrlich wiederum – euer Bericht und die tollen Fotos! Gerne würde ich mich in gewissen Momenten zu euch in den Busch „beamen“:)))
    Auf bald, liebe Grüsse
    Franz

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