Unverhofft nach Norwegen

Wir befuhren Anfang Juli den berühmten Vildmarksvägen (Wildnissstrasse) in Schweden, dessen westlicher Abschnitt der norwegischen Grenze nahe kommt. Dort entschieden wir uns einen Abstecher nach Norwegen zu unternehmen. Begünstigend dafür waren unsere neuen Freunde Astrid und Michael aus Köln, die wir auf der Strasse bei einer Panne eines anderen Wohnmobils kennenlernten und der Umstand, dass Norwegen seine Einreisebedingungen zum 5. Juli 2021 änderte. Wir durften nun mit elektronischem Einreiseformular und Schnelltest, den wir in einem 30 km entfernten Testzentrum machen mussten, in das Land mit den über lange Zeit strengsten Einreiseregeln einreisen. Das war einfach und das letzte Mal in Europa, dass wir an einer Grenze kontrolliert wurden.

Wir vermissten das schwedische Wetter

Dass wir mit dieser meeresnahen Route auch die Entscheidung für deutlich schlechteres Wetter trafen, haben wir riskiert, aber auch etwas bereut. In Schweden blieb es bis Ende Juli bis in den Norden sonnig und heiss. Norwegen hätte sich da gerne eine Scheibe abschneiden können – tat es aber nicht. Zum Glück waren die ersten Tage noch recht schön und danach gab es auch vereinzelt gutes Wetter. Da wir aber so verwöhnt waren und so gerne kurze Hosen tragen, waren wir hier und da etwas knurrig. 

Strände wie in der Südsee

Dennoch entschädigte uns das Land durch seine wunderschöne Berglandschaften, das Nordpolarmeer mit südseeartigen Stränden und riesigen Gletschern. Und davon sahen wir viel mehr durch Astrid und Michael, die Norwegen sehr gut kennen und uns über Wege und an Plätze führten, die wir ohne sie wohl nicht so schnell entdeckt hätten, zumal wir ja nicht auf den Besuch des Landes vorbereitet waren. Dazu gab es noch den Service von frischem Dorsch, Pollack und Seelachs, die Michael bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit aus den Fjorden zog. Mir wurde die Aufgabe des Filetierens zugeteilt, was auch hinlänglich gut gelang. Belohnt wurde dies dann nicht nur durch tolle Fischgerichte, die Astrid zauberte, sondern auch durch leckere Lakritz, beste schwedische Lakritzschokolade und reichlich Underberg, die Michael aus seiner überladenen Wunderbox, wie wir ihr Wohnmobil nannten, holte.

Wandervögel unterwegs

Norwegen bietet auf seinem mittleren bis nördlichen Teil kein sehr ausgedehntes Strassennetz. Es gab eine Hauptstrasse, die sich vom Süden bis Norden durchs Land zog. Da wir aber etwas mehr von der Landschaft haben wollten, wählten wir die Landstrasse, die sich entlang der Küstenlinie und über die Fjorde zog, aber auch viele Fährfahrten nötig machte. Dadurch hatten wir keine Chance uns an den Sehenswürdigkeiten der Gegend vorbeizumogeln. Wir besuchten den Torghatten, den Berg mit dem riesigen Loch, durch den man beim Wandern aufs Meer schauen kann. Auf dem Parkplatz trafen wir einen Bruder oder eine Schwester (zum Glück muss ich jetzt nicht gendern) unseres Fahrzeugs und staunten nicht schlecht über diesen Zufall. Zu diesem Zeitpunkt gab es nämlich erst fünf Mobile dieser Firma. Später wanderten wir zum zweitgrössten Gletscher Norwegens, den Svartisen. Wir wurden mit einem Boot zum Einstieg der Wanderung gebracht, fuhren ca. 20 Minuten Fahrrad und wanderten dann ca. zwei Stunden zum arktisch-blauen Gletscher hoch. Eine tolle Wanderung! Hinter jeder Ecke gab es eine neue und oft überwältigende Naturexpression in Form von faszinierenden Fjord- und Gebirgslandschaften. Leider waren die Plätze zum Übernachten oft sehr strassennah und und erforderten eine gewisse Toleranz in Bezug auf die Geräusche von z.B. Schwerlastverkehr mit wenig Distanz zum eigenen Bett. 

Eine Begegnung der anderen Art

Eines der beeindruckendsten Ereignisse war die Begegnung mit Hvaldimir, einem Belugawal, der sich seit 2019 an der Küste Norwegens herumtreibt, nachdem er mit militärischem Geschirr für Fotospionage angetroffen wurde. Das Gerücht besagt, dass er beim russischen Militär ausgebüxt sei. Sein Verhalten liess wohl aber auch die Mutmassung zu, dass er eine Ausbildung als Therapie-Wal absolviert habe. Wir entdeckten ihn in einem kleinen Hafen, in dem er mit einigen Leuten in einem Boot spielte. Er zog das Boot an seinem Seil mit Schlaufe durch den Hafen oder schob es vor sich her. Dann legte er mal einen Sprint ohne Boot ein und flippte durch das Hafenbecken, um dann zum Boot und seiner kleinen Fangemeinde auf dem Steg zurückzukommen. Er liess sich anfassen und verhielt sich wie Flipper, der Delfin aus dem Fernsehen. Eine wirklich spezielle und seltene Erfahrung.

Das Spektakel am Gezeitenstrom

Da wir gerne noch auf die Lofoten fahren wollten, hielten wir uns nördlich und überquerten den Polarkreis. Dann aber schien das Wetter uns einen Strich durch die Rechnung zu machen, so dass wir die Richtung beibehielten, aber die Lofoten links liegen lassen wollten. Wir wollten wieder nach Schweden und dort auf der Höhe von Kiruna über die Grenze fahren. Das Campen und das Wetter versprachen dort deutlich angenehmer zu sein. Wir liessen uns auf dem Weg nach oben von Astrid und Michael noch Saltstraumen, den grössten Gezeitenstrom der Welt, zeigen. Hier ging wirklich die Post ab. Der starke Gezeitenstrom erzeugt Strudel und Strömungen und das nährstoffreiche Wasser zieht Fische an. Dies bietet ideale Jagdbedingungen für Möwen und Delfine, wie auch für Angler. Die Beutejäger unter Wasser dürften auch beschäftigt gewesen sein. Das Meer schäumte und quirlte und die Fische stürzten sich auf die vielen Angeln, die ins Wasser gehalten wurden, als wäre es das Beste, was es gäbe. Es war zu mindestens das Letzte, was es für sie gab. Dafür hatte ich wieder viel zum Filetieren. Unvorstellbar, dass sich dieses Spektakel alle sechs Stunden wiederholt. Und ich meine nicht das Filetieren.

Das Traumziel Lofoten

Danach trennten sich bald unsere Wege. Die Köllner zogen wieder südlich und wie sich zeigte, in schönstes Sommerwetter. Wir blieben dem Regen noch etwas treu, hatten dann aber auf der Höhe der mittleren Lofoten Glück, dass sich das Wetter besserte, so dass wir uns schnell noch eine Fähre schnappten, um die Lofoten nicht zu verpassen. Das hat sich dann wirklich gelohnt. Die Schönheit und Besonderheit dieser Landschaften, die obendrein noch sehr fotogen sind, hat uns einige Tage in den Bann gezogen. Unser Fahrzeug hatte nicht immer Freude an den engen und teilweise schlechten Strassen und wir nicht immer Spass an der überwältigenden Vielzahl anderer Campinger. Das hatten wir gemein mit den Bewohnern der Lofoten. Denen schienen derart viele Besucher zwar das Portemonnaie zu füllen, aber nicht wirklich willkommen zu sein. Wir erlebten auch sehr aggressive Reaktionen auf z.B. zu langsames Fahren. Da wir durch die sanftmütigen Schweden etwas verzärtelt geworden sind, waren wir schon recht erschrocken über die rauen norwegischen Manieren. 

Ein langer Weg in den Süden

Nach einer Woche nahmen wir dann unsere Eindrücke einer wunderbaren Naturlandschaft und der unglaublich klaren und fast glitzernden Flüsse und Wasserfälle sowie des Polarmeeres mit, verdrängten die ruppigen Norweger aus unserem Kopf und machten uns auf den Weg nach Schweden. Nach den dreieinhalb Wochen, die wir in Norwegen verbrachten, hatte sich dort inzwischen der Sommer mit seinen extrem heissen Temperaturen verabschiedet und einem Spätsommer Platz gemacht. Wir schafften dann die Strecke Kiruna – Malmö in vier Wochen, so dass wir Skandinavien Ende August verliessen. Wir mussten uns nun auch etwas beeilen, damit wir vor unserer Abreise nach Namibia noch etwas Zeit bei unseren Familien in Hamburg und in der Schweiz, sowie einen Mini-Urlaub in Italien verbringen konnten.

3 thoughts on “Norwegen, das nasse Paradies

  1. Hallo ihr zwei, Endlich komme ich dazu, Euren Bericht vom Norden zu lesen.
    Ja, der Norden bringt nicht immer das Beste Wetter, aber es ist eine wunderschöne Gegend. Super Fotos habt Ihr gemacht, das bringt mir ein paar Minuten Ferien, wenn ich Euren Bericht lese und die Fotos anschaue.

    Lieber Gruss, Leslie

  2. Hallo ihr lieben ❤ ihr wart das beste was uns auf unserem Trip passiert konnte 😍 die knapp drei Wochen mit euch waren eine wunderschöne Zeit 😍 wir hatten sehr viel Spaß und haben viel gelacht 😂 freuen uns jetzt schon auf ein Wiedersehen mit euch 😊 genießt die Zeit auf der südlichen Halbkugel um im Frühjahr wieder fit für den nächsten Europa Trip zu sein 💪 ganz liebe Grüße Astrid und Michael 😘

  3. Einfach wunderbar zu lesen von euch Glücksmenschen und die schönen Fotos zu bestaunen! Well done – safe journeys und viel Freude und Glück!
    à bientôt
    Franzl

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